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Nachruf auf Rudolf Kreis

Von Rudolf Kreis erschien 2009 im Landt Verlag die Autobiografie Die Toten sind immer die anderen. Spätes Erinnern an eine Jugend zwischen den Kriegen, die hier von Jan Assmann für die Frankfurter Allgemeine Zeitung besprochen wurde – mit dem Fazit: »Wer die Deutschen verstehen will, der lese dieses Buch.« Am vergangenen Mittwoch nun, dem 13. April 2016, ist Kreis 89-jährig in Grassau am Chiemsee verstorben. Er ruhe in Frieden. 

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Rudolf Kreis (1926-2016) im Jahre 2008 (Foto: Andreas Müller)

Kreis, 1926 in Neuwied am Rhein geboren, erlebte »zwischen den Kriegen« eine glückliche Kindheit und  Jugend (Gerhard Nebel war einer seiner Lehrer), bevor er 1943 Soldat wurde und, kaum achtzehnjährig, als Panzersoldat und jüngster Junker der Waffen-SS gegen die hoffnungslos überlegenen Waffen der Alliierten in der Normandie kämpfte. Nach Krieg und Gefangenschaft studierte er  Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte, promovierte und wurde Gymnasiallehrer. In den folgenden Jahrzehnten unterzog Kreis, auch als leidenschaftlicher »68er«, die deutsche Geistesgeschichte einer tiefschürfenden Kritik, deren auch in Büchern über Goethe, Heine, Nietzsche und Kafka veröffentlichte Ergebnisse sein späterer Briefpartner Ernst Nolte ihm als »ausgeprägten Philojudaismus« auslegen sollte.

Kreis‘ Anliegen war aber nicht auf einen Kampfbegriff zu bringen. Davon zeugt seine Autobiografie Die Toten sind immer die anderen, 2009 im Landt Verlag erschienen. Der Autor hatte per Post ein Konvolut mit Aufsätzen und Essays eingereicht, unter denen einige autobiografische Schriften deutlich herausragten. Befragt, ob es noch mehr davon gäbe, schickte Kreis postwendend ein im Laufe von mindestens zwei Jahrzehnten entstandenes Manuskript, das in der deutschen Nachkriegsliteratur einen einzigartigen Platz einnimmt. Weiterlesen