Schlagwort-Archive: Politische Korrektheit

Dokumentation eines publizistischen Exils

Zum Tod von Ernst Nolte (1923–2016)

Prof. Ernst Nolte (* 11. Januar 1923 in Witten), Historiker; fotografiert in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg. Foto: Thilo Rückeis

Ernst Nolte 2009 in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg. Foto: Thilo Rückeis

Im Alter von 93 Jahren ist am 18. August der Historiker und Geschichtsphilosoph Ernst Nolte in Berlin verstorben. Im Landt Verlag erschienen von ihm die Bücher »Die dritte radikale Widerstandsbewegung: Der Islamismus« (2009) sowie »Italienische Schriften. Europa – Geschichtsdenken – Islam und Islamismus. Aufsätze und Interviews aus den Jahren 1997 bis 2008« (2011). Die Zusammenarbeit mit Ernst Nolte beruhte darauf, dass die großen Publikumsverlage, die seine Bücher zuvor verlegt hatten, im Nachgang des Historikerstreits von 1986/87 nicht gewillt waren, seine späten Arbeiten herauszubringen. Zum Erscheinen von Noltes »Italienischen Schriften« hatte ich eine kleine Ansprache vorbereitet. Der heutige Tag ist geeignet, diese Ansprache anstelle eines Nachrufs einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren als der kleinen Schar von Gästen, die sich vor fast fünf Jahren, am 18. November 2011, in Berlin um den großen Historiker versammelte. Im Anschluss an die Begrüßung trug Ernst Nolte unter der Überschrift »Am Ende eines Lebenswerkes« vor. Weiterlesen

»›Homosexualität‹ ist ein groß angelegtes Täuschungsmanöver«

Interview mit dem Publizisten Andreas Lombard

Homosexuelle Reproduktion gibt es nicht – allen Versprechungen und Hoffnungen zum Trotz. Andreas Lombard sagt: Für den reproduktionstechnischen Markt dienen diese bloß als Türöffner. – Das folgende Interview erschien zuerst auf freiewelt.net

Foto: privat

FreieWelt.net: »Homosexualität gibt es nicht«, behaupten Sie im Titel Ihres neuen Buches. Wie ist diese steile These zu verstehen?

FreieWelt.net: Das müssen Sie mir erklären.

Andreas Lombard: Drei Beispiele: Erstens gilt Homosexualität für unveränderbar, als wäre sie ein sicherer Hafen, eine Art Schutz vor den Unwägbarkeiten des Lebens. Den gibt es nicht. Zweitens gibt es die behauptete Gleichheit nicht. »Gleich« ist Homosexualität nur dann, wenn ich die Fortpflanzung wegdenke. Und drittens führt die Gleichstellung zu einer fiktiven homosexuellen Fruchtbarkeit und am Ende zu einer Diskriminierung der Heterosexualität. Es gibt keine homosexuellen Eltern im Vollsinn des Wortes.

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Bubis wollen »Zombies« töten

Falk Richters Schaubühnen-Stück »Fear« ist ein Dokument der Angst selbstvergessener Sektierer, von der Geschichte überrollt zu werden. Für Januar sind weitere Aufführungen geplant

Nicht nur plaudernd in seinen aktuellen Interviews lässt Falk Richter erkennen, dass er von Politik keine Ahnung hat. Auch auf der Bühne muss er es uns beweisen. Ein ganzes halbes Jahr, so behauptet er, habe er sich kundig gemacht, was es mit dem »ungehemmten« Hass auf sich hat, der jetzt in aller Welt ist. Er will ja schließlich mitreden und auch ein bisschen mitwarnen und ein bisschen mitverurteilen. Dabei hat sich der Schreiberling verrannt. Beim monatelangen Rumdaddeln auf der Tastatur scheint Richter vor allem seine eigenen Vorurteile gemästet zu haben. Das Ergebnis kommt als Theaterstück daher, und in seinen Zutaten aus lauter echten Menschen, einem gläsernem Wachhäuschen, kakophonischer Orchestrierung und apokalyptischen Videosequenzen mag es das heutzutage Weiterlesen

»Börsenblatt bedauert Werbung für homophobe Bücher«

151023 BörsenblattDas Börsenblatt hat in seiner Ausgabe Nr. 42/2015 auf Seite 129 unsere ganzseitige Anzeige zu Akif Pirinçcis Buch Die große Verschwulung und zu meinem eigenen Buch Homosexualität gibt es nicht abgedruckt. Danach kam uns zu Ohren, dass unsere Anzeige Diskussionen bis hinauf in die Geschäftsleitung ausgelöst, dass man sich aus Gründen der Presse- und Meinungsfreiheit am Ende aber für den Abdruck derselben entschieden habe. Auf der gegenüberliegenden Seite stand eine Eigenanzeige des Börsenblatts, was bereits eine Vorsichtsmaßnahme gewesen sein mag, keinen anderen Verlag mit unseren Inhalten zu kompromittieren. Nach Erscheinen verabredeten wir problemlos eine weitere Anzeige für das kundenorientierte und sehr viel auflagenstärkere Buchjournal, Ausgabe 6/2015. Dann kam Pirinçcis Auftritt in Dresden, der das Börsenblatt zu der Bitte veranlasste, diese Folgeanzeige auf meinen eigenen Titel zu beschränken und Pirinçcis Buch wegzulassen. Wir sagten zu. Eingang der Auftragsbestätigung vorgestern, Mittwoch, um 12.54 Uhr. Dann kam eine Mail, in der uns erklärt wurde, auch diese Anzeige könne nicht erscheinen, zum eigenen »Bedauern«, mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Buchhandel und nicht ohne die nötige Achtung vor der »Shitstorm« genannten Exkrementenlawine wollte man sich einem drohenden Boykott der Buchhändler natürlich nicht aussetzen. Und dann kam der zitierwürdige Verweis auf die Geschäftsbedingungen, Absatz 5:

… MVB behält sich vor, Aufträge – auch einzelne Abrufe im Rahmen eines Abschlusses – und Beilagenaufträge abzulehnen, wenn gegen das mit dem Auftrag zu bewerbende Werk ein der Anzeigenabteilung zur Kenntnis gekommener Rechtstitel vorliegt, die Anzeige oder das Advertorial offensichtlich wettbewerbswidrig ist oder deren Inhalt sonst gegen Gesetze, behördliche Bestimmungen oder die guten Sitten verstößt oder deren Veröffentlichung für MVB unzumutbar ist. Aufträge können auch zurückgewiesen werden, wenn die begründete Annahme besteht, dass durch sie die Gefühle eines nicht unerheblichen Teils der Leser verletzt werden. … Mit freundlichen Grüßen …

Wohlgemerkt bezieht sich dieses Schreiben nicht auf eine weitere Anzeige zur Bewerbung unseres Pirinçci-Titels, sondern meines eigenen Buches mit dem Titel Homosexualität gibt es nicht. Abschied von einem leeren Versprechen. Zu diesem Buch wird uns mutmaßlich ohne Kenntnis des Inhalts so unentschieden und unverbindlich wie nur irgend möglich mitgeteilt, dass (was nun eigentlich?) ein Verstoß gegen »behördliche Bestimmungen« oder die »guten Sitten« vorliege oder dass die begründete Annahme bestehe, dass durch unsere Anzeige »die Gefühle eines nicht unerheblichen Teils der Leser verletzt werden«. Es geht also um Gefühle, was dummerweise Pirinçcis These von der »großen Verschwulung« aufs Zarteste bestätigt. Chefredakteur Torsten Casimir wird von queer.de mit den Worten zitiert: »Nach den Ereignissen der vergangenen Tage wäre mir wohler, wir hätten für Pirinçcis Buch keine Verbreitungshilfe geleistet.« Schließlich hatten sich die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, der »Querverleger« Jim Baker und der ebenfalls einschlägig ausgerichtete Bruno Gmünder Verlag beschwert. Gefühle geben den Ton an, vor allem verletzte Gefühle vorhersehbarer, interessierter Herkunft. Queer.de spricht denn auch von dem »nicht weniger unsäglichen Titel Homosexualität gibt es nicht von Verlagsleiter Andreas Lombard«. Das wird mal so in den Raum gestellt, es wird genug Leute geben, die’s ohne weitere Prüfung nachempfinden können. Um dem Wesen dieser Gefühle auf die Spur zu kommen, müssen wir uns bis dato wiederum auf queer.de stützen. Dort werden »die 16 dümmsten und widerlichsten Zitate aus Die große Verschwulung« wiedergegeben, Aussagen, die cum grano salis vor zwanzig Jahren noch für selbstverständliche Banalitäten gehalten worden wären. Ein Kunde des Manuscriptum-Verlags schrieb heute: »Es graust einen geradezu vor diesem hysterisch gewordenen Land, in dem die Einheimischen zu den neuen Fremden werden.« Ich übersetze wie folgt: Es graust einen geradezu vor diesem hysterisch gewordenen Land, in dem die Normalen zu den neuen Perversen gemacht werden.

Herzlich willkommen, die Gleichheit ist schon da!

Warum es nicht wahr ist, dass Homosexuelle keine Kinder bekommen können

Auf die einfachsten Gedanken kommt man immer zuletzt. Wie sich doch Anhänger und Gegner der »Homo-Ehe« gleichermaßen irren können! Einige tapfere Widerspruchsgeister haben jetzt gegen die forcierte Gleichstellung eingewandt, Homosexuelle könnten keine Kinder bekommen. Dieser Unterschied müsse in der Politik des Staates, besonders im Institut der Ehe von Mann und Frau, anerkannt werden. Das Argument ist natürlich nicht falsch. Doch zugleich ist es Wasser auf die Mühlen derer, die inzwischen schon die »Ehe für alle« fordern. Warum?

Der Hinweis auf die »Familiengründungsbehinderung« (Michael Klonovsky) namens Homosexualität ist richtig, aber nur in einer einzigen Hinsicht: Homosexuelle können untereinander keine Kinder zeugen. In diesem Punkt gleichen sie, man höre und staune, aufs Haar allen normal orientierten Männern, die mit ihresgleichen ebenfalls keine Kinder zeugen können. So weit ist die Verwirrung schon vorangeschritten, dass wir diese partiell gleichen Startbedingungen fast vergessen hätten. Mit der Festsellung dieser Gleichheit ist uns der große Unterschied aber bis auf weiteres abhanden gekommen.

Ich erinnere mich an einen schwulen Bekannten, der mir vor ungefähr zehn Jahren davon erzählte, dass er im Begriffe war, Vater zu werden. Er und sein Gefährte waren mit einem lesbischen Paar befreundet, mit dem sie in einer großen Wohngemeinschaft auf dem Land lebten. Eines Tages kamen sie auf die Idee, ein Kind zu zeugen. Gesagt, getan. Sie bereiteten ein schönes Essen, und irgendwann im Laufe des Abends gingen die beiden Männer ins Nebenzimmer, aus dem sie mit einer mehr oder weniger vollen Plastikspritze zurückkehrten, mit der postwendend die beiden Frauen entschwanden. Kurz darauf zeigte sich, dass eine der beiden schwanger war. Sie hatten also den richtigen Tag erwischt. Vielleicht war es schon der zweite Anlauf, das weiß ich nicht mehr so genau. Wenn schon, auch beim großen Rest der Menschheit klappt es nicht immer auf Anhieb.

Ich verzichte an dieser Stelle ausdrücklich darauf, den Vorgang zu bewerten. Angesichts der wachsenden Verwirrung geht es mir um den Hinweis, dass jenes damals gezeugte Kind gute Aussichten hatte, mit beiden leiblichen Elternteilen aufzuwachsen. Das ist nicht wenig. Darüber hinaus sind diverse Komplikationen nicht ganz unwahrscheinlich, denn eine Ehe zu zweit ist bekanntlich schon schwer genug. Und ich vernachlässige hier auch die Tatsache, dass in ähnlichen Fällen oft eine der beiden Seiten der anderen das Kind dauerhaft entzieht (und diese sich das Kind oft auch entziehen lässt), häufiger die lesbische Mutter. Nichtsdestotrotz bringen die halbwegs natürliche Zeugung und die Möglichkeit, dass beide Elternteile bei der Aufzucht des Kindes anwesend sind, aus heutiger Sicht gewisse Vorzüge gegenüber dem jetzt propagierten »Recht auf Kinder« mit sich. Heute geht es darum, die Nachkommen von vornherein künstlich zu zeugen und ihnen wie selbstverständlich ihr Recht auf mindestens eines der leiblichen Elternteile zu nehmen. Weshalb der von Sibylle Lewitscharoff verwendete Begriff »Halbwesen« auch hinsichtlich der eingepreisten und hauptsächlich vom Kind zu tragenden seelischen Kosten absolut treffend gewählt war.

Ich weiß nicht, wie viele Kinder es allein in Berlin gibt, die auf jene Weise gezeugt wurden und in einer solchen Viererkonstellation aufwachsen. Ihre Zahl könnte angesichts der sechsstelligen Zahl homosexueller Berliner ohne weiteres in die Tausende gehen. Ist es da nicht höchst verwunderlich, dass die halbe Welt, praktisch der ganze Westen, ein Problem der Gleichstellung konstruiert, das es überhaupt nicht gibt!? Noch einmal: Das es überhaupt nicht gibt!? Die Anwälte der Homosexuellenrechte sind doch immer die ersten, die darauf verweisen, dass  (auch) bei den »Heterosexuellen« Ehe und Fortpflanzung entkoppelt würden und dass demzufolge auch sie Anspruch auf die Ehe hätten. (In Wahrheit ist das Argument natürlich keins, weil immer noch 75 Prozent aller Kinder zusammen mit Vater und Mutter aufwachsen. Aber sei’s drum.)

Die verblüffendste Tatsache für mich, der ich seit Jahren über diese Fragen nachdenke, ist folgende: In einer Zeit, in der Kinder leider allzu häufig außerhalb der Ehe geboren werden, oft auch von Müttern, die schon vor der Geburt vom Vater getrennt leben, stehen Homosexuelle vor fast denselben Schwierigkeiten der Zeugung wie alle anderen auch: sie müssen halt jemanden finden, der es mit ihnen macht. (Man verzeihe mir den zynischen Unterton.) Ist eine solche Partnersuche etwa zu viel verlangt? Fast jeder großstädtische Schwule dürfte früher oder später mehr als eine Frau kennenlernen, die gern ein Kind von ihm bekommen würde.

Wie gesagt, auf die Bewertung dieses »Modells« werde ich an anderer Stelle eingehen. Auch darauf, dass Vater und Mutter in naturrechtlicher Hinsicht immer verheiratet sind, weshalb es von so großem Vorteil ist, wenn sie sich auch lieben und zusammenbleiben … Mir geht es hier und heute ausschließlich darum, dass es jenen eklatanten Unterschied, auf den besonders gerne auch die Gegner der »Homo-Ehe« verweisen, in einer bestimmten Hinsicht nicht gibt. Vielmehr wird im Namen der Gleichheit ein Unterschied herbeigeredet und kräftig aufgeblasen, dessen Beseitigung nicht auf Gleichheit, sondern auf einzigartige Privilegien hinausläuft: Darauf nämlich, dass eine bestimmte Gruppe von Menschen (warum nicht die Radfahrer?) »ihre« Kinder auf dem Silbertablett serviert bekommt. Alle anderen müssen sich schließlich auch dem mühsamen Versuch unterziehen, wenigstens eine Zeugungs- und Aufzuchtgemeinschaft anzubahnen.

Homosexuelle aller Länder! Ihr habt die große Chance, Eure immer schon realisierte Gleichheit zu unterstreichen, indem Ihr dieselben Mühen auf Euch nehmt wie alle anderen Menschen auch! Herzlich Willkommen.

Selbstrichter Adam

Gläserne Sexualität und »Homophobie«

Der bayerische SPD-Politiker Michael Adam, geboren 1984, ist Landrat des Kreises Regen. Im Rahmen des arte-Themenabends über »Homophobie in Europa« hatte er gestern einen interessanten Auftritt. Adam ist homosexuell. Das hinderte ihn nicht, für eine gewisse Zeit ein großer Hoffnungsträger der bayerischen SPD zu sein, denn seine Neigung ist kein Geheimnis. Adam lebt in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft und hatte in dem von ihm regierten Landkreis Regen keine nennenswerten Probleme, bis, ja, bis auch er zum Opfer europaweiter »Homophobie« wurde. So stellte es jedenfalls der arte-Film »Gleiche Liebe, falsche Liebe?!?« von Peter Gerhardt dar.

Adam hat das Landratsamt mehrfach für intime Begegnungen mit männlichen Gespielen genutzt. Ein inzwischen entferntes Sofa leistete nützliche Dienste, während anderswo im Haus sogar eine Veranstaltung lief. Adam scheint sich keine besondere Mühe gegeben zu haben, die über das Internet anberaumten Treffen zu verheimlichen. Es kam zu unangenehmen Medienberichten und auch sonst zu einigem Ärger. Herr Adam versteht aber nicht, woran sich die Leute stören. Hätte er sich mit einer Frau vergnügt, so meint er, würde doch auch keiner etwas gesagt haben. Es sei dahingestellt, ob diese Naivität echt ist oder nur gespielt.

Trotz der Affäre, die es bis in die überregionale Presse schaffte, hat Adam sein Amt behalten. Dienstrechtliche Schritte hielt der Regierungspräsident von Niederbayern nicht für nötig. Glück gehabt. Dass allerdings eine private Nutzung von Diensträumen für zweigeschlechtliche Intimitäten, wenn sie denn bekannt geworden wären, keinerlei Aufregung verursacht hätte, ist schwerlich anzunehmen. Insofern ist Adams Fall von dem eines normalen Mannes kaum zu unterscheiden, und wenn das so ist – was um alles in der Welt hat er dann mit Homophobie zu tun? Das hat der Film natürlich nicht erklärt.

Auf seiner persönlichen Homepage präsentiert sich Adam als »gläserner Landrat«, der freiwillig alle Einkünfte und Nebentätigkeiten offenlegt. Er scheint ehrlich aufzutreten und es mit seiner Ehrlichkeit richtig ernst zu meinen. Offenbar glaubt er, dass sich bei hemmungsloser Transparenz Konflikte von selbst erledigen. Wenn er aber behauptet, dass sich die beklagte »Homophobie« aus seiner speziellen sexuellen Neigung ergebe, dann hat Adam nicht verstanden, dass er in diesem speziellen Fall nicht für seine Andersartigkeit, sondern für seine Bill-Clinton-Ähnlichkeit angegriffen wurde. Das Problem war nicht eine andere, sondern genau die gleiche Hemmungslosigkeit, die davon nicht besser wird, dass sie auch dem amerikanischen Präsidenten reichlich Ärger einbrachte und die in jedem Fall, wenn sie denn ruchbar geworden wäre, Anstoß erregt hätte. Und zwar zu Recht.

Wenn es aber nach Adam ginge, würde es überhaupt keine Klagen über sexuelles Verhalten gleich welcher Art und Weise mehr geben. Und wenn es sie doch gäbe, würde man sich auf seine schützenswerte Homosexualität zurückziehen dürfen. Der Regierungspräsident war klug genug, die Geschütztheit des homosexuellen Adam nicht in Frage zu stellen und sich selbst zu schützen, freilich um den Preis, dass der Fall am Ende nicht »Homophobie« offenbart, sondern das genaue Gegenteil, nämlich Narrenfreiheit für einen homosexuellen Landrat. Aber Schuld an jeglichen Konflikten sind unter solchen Voraussetzungen natürlich immer die anderen. Man braucht dieses Denken nicht erst auf weitere Bereiche zu übertragen, um zu verstehen, dass das ein verständlicher Kindertraum ist, aber kein realistisches Lebensprinzip.

Die Gleichstellungsaktivisten wissen, dass sie ganz zufrieden sein könnten. »Wir waren laut, und wir haben viel erreicht«, hieß es gestern auf arte. Ob aber die Zukunft der gläsernen Sexualität gehört, ist angesichts der wachsenden Widerstände sowohl seitens der europäischen Muslime als auch im katholischen Ost- und Mitteleuropa und weit darüber hinaus mehr als fraglich. Die von arte verbreitete Empörung der Homo-Aktivisten über diese Entwicklung ist billig, wenn doch abzusehen ist, dass auf die Homo-Ehe die Polygamie, das Adoptionsrecht für Homosexuelle und das Recht auf künstliche Befruchtung werden folgen müssen. Um von der schulischen  Frühsexualisierung ganz zu schweigen.

Das Prinzip dieses »Fortschritts« offenbart eben der Fall Adam: Es gibt prinzipiell keine Nachteile, die nicht der bösen, normalen Mehrheitsgesellschaft mit ihren Vater-Mutter-Kind-Familien als Schuld anzulasten wären. Jedwede Kritik an jedweden Forderungen und jedwedem Tun oder Unterlassen kann auf dieser Grundlage als »Homophobie« verunglimpft werden. So will es der Kinderglaube dieser Leute, der sie nicht nur trösten, sondern auch ziemlich böse machen kann. Im zweiten Film des Themenabends wurde berichtet, was der Islam von Homosexuellen erwartet (wenn sie nicht gleich der Todesstrafe zum Opfer fallen): Dass sie ihre »Spielereien« bleiben lassen, eine Frau heiraten und Kinder in die Welt setzen. Das mag eine Antwort sein oder auch nicht. Der Vorwurf der Spielerei trifft aber den entscheidenden Punkt.

Eines hat der Themenabend jedenfalls gezeigt, der blind war für die Verführungen in eigener Sache und alle Verführung den Religionen im allgemeinen anlastete. Wer das Programm der hemmungslosen westlichen Lebensart auch dem Rest der Welt überstülpen will, riskiert einen veritablen Weltbürgerkrieg. Die Alternative ist die gute, alte Diskretion. Ein Drittes gibt es nicht. Im Falle des Selbstrichters Adam wäre schon viel erreicht gewesen, wenn er als der gläserne Landrat, der er so gerne sein möchte, für die private Nutzung seiner Diensträume Miete gezahlt hätte, sagen wir, auf der Berechnungsbasis »Stundenhotel«. Dann hätte sein Landkreis auch was davon gehabt.

Was will Akif Pirinçci?

Bereits am 27. März erscheint Aki Pirinçcis erstes Sachbuch Deutschland von Sinnen. Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer. Unmittelbar nach der Ankündigung stieg es bei amazon bis auf Verkaufsrang 4. Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, was Pirinçcis Motive seien. Das könnte auch diejenigen interessieren, die der Titel dieses Buches eher überrascht. Was also treibt ihn an? Eine gute Frage. Der erfolgreiche Krimiautor malt seit geraumer Zeit radikal freche, oft auch unflätige deutsche Stimmungsbilder. Seine große facebook-Gemeinde liebt ihn dafür. Besonders berühmt wurde im vergangenen Jahr sein auf der Achse des Guten erschienener Text »Das Schlachten hat begonnen«, der auch in seinem Deutschland-Buch enthalten sein wird. In Kirchweyhe war der junge Deutsche Daniel S. von mehreren türkischen Jugendlichen zu Tode geprügelt worden, und Pirinçci reagierte fassungslos auf die Tatsache, daß sich die Deutschen in einer zunehmend angespannten Konfliktsituation, die Todesopfer unter deutschen Jugendlichen fordert, erstens nicht zu wehren wissen und daß sie sich zweitens von ihren Politikern und Medienleuten des Rechtsradikalismus verdächtigen lassen müssen, was den offenkundigen Zweck hat, ihre Widerstandskraft auf einem lebensgefährlichen Minimum einzufrieren.

Die Frage, was Akif Pirinçci antreibt, hat es also in sich, denn sie berührt den Kern unseres Selbstverständnisses, sagen wir, als »Menschen in Deutschland«. Was bringt einen 1959 in Istanbul geborenen Mann, der mit neun Jahren nach Deutschland kam und hier ein erfolgreicher Schriftsteller wurde, dazu, den Deutschen vorzuwerfen, daß sie sich auf dekadente Weise von ihren ausländischen Gästen, seinen eigenen Landsleuten, tyrannisieren und terrorisieren ließen? Warum weist er sie mit aller Drastik darauf hin, daß sie, wenn sie so weitermachten, früher oder später einem unerbittlichen evolutionären Programm zum Opfer fallen würden, wonach die vielen jungen Männer aus dem zugezogenen Volk hinsichtlich ihrer Fortpflanzungschancen zu Konkurrenten, Gegnern und Feinden der autochthonen jungen deutschen Männer werden? Einem Programm, das junge, gut organisierte Türken dazu bringe, eben diese Deutschen, sobald sie irgendeine Schwäche erkennen lassen, zu bedrohen, zu verprügeln und zu ermorden. Was treibt ihn dazu, davor zu warnen, daß seine Landsleute früher oder später auch deutsche Frauen vergewaltigen, kurz, daß sie alles Mögliche tun werden, um die autochthone Bevölkerung eines Tages zu dominieren und zu beherrschen, jedenfalls dann, wenn sie niemand aufhält?

Pirinçci beschreibt eine kriegerische Situation. Er versteht weder die fehlende Bereitschaft zur Selbstverteidigung, noch die verlogene deutsche Öffentlichkeit mit ihrem heuchlerischen »Kampf gegen rechts«, noch die lasche, verängstigte Rechtsprechung, und am allerwenigsten versteht er den Verlust des gesunden Menschenverstandes in diesem täglich verrückter werdenden »war on sanitiy«. Der Autor Pirinçci ist ein Phänomen, das die Multikulti-Romantiker nicht auf der Rechnung hatten, denn Pirinçci ist Türke. Sein Zorn ist auf zuweilen respekt- und hemmungslose Weise frei von Selbstzweifeln. Es ist der Zorn eines Mannes, der, und das ist das Entscheidende, lange genug in Deutschland lebt, um sich noch an die Zeit erinnern zu können, da »Integration« kein milliardenteures Subventionsgrab zur Einschüchterung und Gängelung der einheimischen Bevölkerung war, sondern eine gesellschaftliche Realität, die keinen einzigen Cent kostete.

O-Ton Pirincci, aus seinem Anfang April erscheinenden Buch:

1969 sind meine Eltern mit uns Kindern und einem Pappkoffer in der Hand in dieses Land gekommen. Die Türkei bot uns nichts, keine Chance, keine erste und keine zweite, einfach gar nichts. Wir waren so arm, daß wir uns am Ende nicht einmal mehr Holz oder Kohle zum Heizen für den Winter leisten konnten. Wir empfanden es als ein unfaßbares Geschenk, daß Deutschland uns aufnahm. Hätte man uns gebeten, wir hätten ihm auf den Knien gedankt. Aber das tat man nicht. Man gab uns nur zu verstehen: Arbeitet, geht zur Schule, macht etwas aus eurem Leben, ihr seid uns nichts schuldig, außer vielleicht, daß ihr ein produktiver, kreativer und bereichernder Teil dieses Landes werdet und hier sogar Wurzeln schlagt, wenn es euch gefällt. Meine Eltern waren keinen einzigen Tag ihres deutschen Berufslebens arbeitslos; daß der Staat Sozialhilfe an Leute auszahlt, die einfach gar nichts tun, erfuhren sie erst Mitte der achtziger Jahre, als sie längst wieder in die Türkei zurückgekehrt waren und dort ihren Lebensabend genossen.

Soweit das aufschlußreiche Zitat aus dem zweiten Kapitel, das die Überschrift trägt: »Der Islam gehört zu Deutschland wie die Reeperbahn nach Mekka«. In diesen Tagen teilt die BZ übrigens mit, daß laut Berliner Senat 35.735 EU-Bürger allein in Berlin von Sozialhilfe leben. Dazu ein zweites Zitat aus Deutschland von Sinnen und zwar aus dem dritten Kapitel, in dem es um den Niedergang des Mittelstandes und um seine drückende Steuerlast geht:

Was die Rechtsprechung vor Gericht angeht, mein Freund, erzähl doch mal einem deutschen Richter, daß du 35 Jahre lang brav deine Steuern und Abgaben bezahlt hättest, daß diese sich inzwischen auf ungefähr 350 000 Euro summiert haben müßten, wenn nicht noch mehr, daß du arbeitslos geworden bist und in deinem Alter auch nicht mehr so leicht Arbeit findest, und daß du es mit Recht und Gesetz nicht vereinbaren könntest, deine noch nicht abbezahlte Eigentumswohnung verkaufen zu müssen, um auch nur einen müden Euro vom Staat zurückzubekommen, während dein Nachbar Einbezahlt-was-ist-das?-Abdullah aus Marokko und seine zwei Ehefrauen mit sechs Kindern sich von Stütze made in Germany schon ihr zweites Haus in ihrem wunderschönen Heimatland bauen. Daß der Richter dich dann nicht auslacht, ist auch alles! Oder erzähl doch mal dem Ordnungsamt, daß es etwas gegen die auf dem Schulweg deiner Tochter und im Stadtpark Spalier stehenden schwarzen Drogendealer unternehmen soll. Vielleicht hast du Glück. Dann bekommst du nur eine Geldstrafe wegen Rassismus, und die Psychopathen von der Antifa sehen davon ab, dein Auto abzufackeln.

Die politisch unkorrekten Positionen dieses Autors wird man über kurz oder lang, soweit es nicht schon geschieht, als »rechtsradikal« oder, um ein von einem bekannten Journalisten kürzlich verwendetes Wort zu zitieren, als »eklig« abtun wollen. Aber das ist ihm egal. Vor allem werden damit nicht die zugrunde liegenden Probleme erledigt. Man hätte bloß einmal mehr das Thermometer zerschlagen, das die wahre Temperatur anzeigt. Natürlich liegt es nahe, den politisch unkorrekten Positionen dieses Autors eine entsprechende politische Motivation zu unterstellen. Auch wenn das insbesondere jene tun werden, denen es nicht paßt, daß er so viele unangenehme Wahrheiten auf einmal ausspricht, wäre das bestenfalls ein Zirkelschluß. Was also treibt einen erfolgreichen Krimiautor wie Akif Pirinçci dazu, ein derart provozierendes Buch zu schreiben? Zunächst ist Pirinçci weder gegen die Türken noch gegen die Deutschen, er ist weder gegen die Ausländer, noch gegen die Einheimischen, und gegen Zuwanderung ist er natürlich auch nicht. Er ist nur dafür, daß jeder sein eigenes Geld verdient und der Staat dafür sorgt, daß sich die Leute nicht die Köpfe einschlagen. Das galt vor kurzem noch als selbstverständlich.

Die Antwort liefert die zitierte Passage über seine Kindheit, in der es um die Erinnerung an ein Deutschland geht, das Akif Pirinçci wie vermutlich sehr viele Türken seiner Generation tiefer beeindruckt haben könnte als seine damaligen deutschen Zeit- und Altersgenossen (soweit dieser Vergleich überhaupt möglich ist), und das es, so seine Sorge, womöglich bald nicht mehr gibt. Es geht um die Enttäuschung eines Türken darüber, daß die Deutschen nicht mehr sie selbst sein wollen und daß sie ihm (sie ihm!), dem Zugereisten, seine Heimat wegnehmen, daß sie ihn aus dem Land seiner Kindheit vertreiben. Ein Türke, deutscher als die Deutschen, will nicht zum Heimatvertriebenen werden.

Der Fall erinnert an die assimilierten deutschnationalen Berliner Juden in den Jahrzehnten vor dem Holocaust, die mit den nachrückenden Ostjuden nicht in einen Topf geworfen werden wollten. Ja klar, und nun, mit dieser unstatthaften Analogie, ist das Maß endgültig voll. Mir persönlich ist das aber genauso egal wie es Pirinçci egal ist, was man über ihn denkt. Unsere Politiker, unsere Tugendwächter und unsere Medienideologen werden sich daran gewöhnen müssen, daß die bundesdeutsche »Vielfalt« die eine oder andere Überraschung für sie bereithält, daß es Leute gibt, die nach Deutschland kommen und in Deutschland bleiben wollen, weil es sich um Deutschland handelt und nicht um Anatolien, Syrien oder um irgendein postmodern-namenlos-selbstvergessenes Territorium in Europa oder irgendwo sonst in der großen weiten Welt. Pirinçci ist der lebende Beweis dafür, daß es ein unverwechselbares türkisches Temperament gibt. Es könnte deutscher sein als das deutsche.