Archiv der Kategorie: Deutschland

Tanzpalastrede

Warum Björn Höcke danebenlag (aber aus anderen Gründen)

Leider beschäftigen sich die großen Medien fast nur noch mit der Frage, was zu sagen verboten sei, statt uns zu sagen, was zu sagen geboten wäre. Geboten, so scheint es, ist nur noch das Verbieten. Ansonsten ist es verdächtig still. Diese Stille haben einige Dresdner nicht länger ertragen und (»gefühlt«) mehr applaudiert als Björn Höcke gesprochen hat. Über die »verantwortungslose Politik gegen das eigene Volk« und darüber, dass es »keine moralische Pflicht zur Selbstauflösung« gebe. Gegen Ende seines Auftritts vom 17. Januar forderte Höcke eine »erinnerungspolitische Wende von 180 Grad«. Der Tag danach war wie immer: voller großer Empörung.

Eine Schande sei es gewesen, dass Höcke das Berliner Holocaust-Mahnmal eine Schande genannt, heißt es. (Hat er nicht, aber jede Gelegenheit ist günstig, darauf hinzuweisen, dass es eine Schande nicht heißen darf, auch wenn keiner es so nennt.) Höcke hat gesagt: »Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat«. Ein Lob der Häme-Nautik! »Denkmal der Schande« bedeutet nicht zuerst »schändliches Denkmal«, sondern Pi mal Daumen »Denkmal zum Gedenken an eine Schande«. Höcke hat gemeint, aber nicht gesagt, was noch 1998 wie folgt in einem deutschen Langzeitperiodikum stand: »Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität.«

Lange nachdem die Idee eines einzigartig bösen deutschen Volkes grundsteinlegend für das Holocaust-Mahnmal wurde (jene Einzigartigkeit, die Joachim Gauck noch 2006 kritisch zu reflektieren wagte, weil sie sich mit dem Christentum nicht verträgt), droht sie das sich neu formierende Deutschland tatsächlich existentiell zu lähmen. Trotzdem und auch schneller als der Urheber jenes Zitats es erleben durfte, wurde es bald auffallend still um das 2005 eingeweihte Mahnmal. Das ist eine große Chance, die nicht von ungefähr kommt. In Anbetracht der Lage, also ihres gemeinsamen Bedrohtseins, könnten und müssten Deutsche und Juden, anders gesagt, Christen und Juden, gemeinsam über die Schatten der Vergangenheit springen. Für die Berliner und ihr Grabsteinfeld hieße das Gebot der Stunde: »Immer daran vorbeifahren, aber niemals darüber reden« ‒ ein altbewährtes Rezept. So könnte sich die Monstrosität (des schuldstolzen Gedenkens, nicht des Holocaust) auf leisen Sohlen verabschieden, würde nicht ausgerechnet Björn Höcke mit seiner Tanzpalastrede in die hoffnungsvolle Stille platzen. Retten kann uns, wenn es wirklich gefährlich wird, nicht das Heilige Römische Reich deutscher Nation, sondern viel eher der eine oder andere heiße Tipp aus dem großen Erfahrungsschatz Israels und dem Überlebenskampf des jüdischen Volkes. – Die Worte von 1998 schrieb Rudolf Augstein im Spiegel.

Geringfügig kürzer zuerst am 18.1.2017 erschienen auf www.manuscriptum.de

Sind kinderlose Singles behindert?

Eine neue WHO-Richtlinie mit absurden Konsequenzen

161027-storchDie Weltgesundheitsorganisation (WHO) will den Begriff der Unfruchtbarkeit neu definieren. Das berichten verschiedene Medien hier oder hier, und es ist keine Satire: Personen ohne geeignete Sexualpartner und mit unerfülltem Kinderwunsch sollen künftig nicht nur als unfruchtbar, sondern obendrein als behindert (»disabled«) gelten: Kinderlosigkeit als Behinderung? Den Kinderlosen soll dieser neue Status ein Recht auf künstliche Befruchtung verschaffen. Fortpflanzung soll prinzipiell ohne elterliche Paarbeziehung möglich werden. Die Folge wäre, dass die neue Richtlinie weltweit das Ansehen von Ehe und Familie bedrohen würde. Weiterlesen

Dokumentation eines publizistischen Exils

Zum Tod von Ernst Nolte (1923–2016)

Prof. Ernst Nolte (* 11. Januar 1923 in Witten), Historiker; fotografiert in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg. Foto: Thilo Rückeis

Ernst Nolte 2009 in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg. Foto: Thilo Rückeis

Im Alter von 93 Jahren ist am 18. August der Historiker und Geschichtsphilosoph Ernst Nolte in Berlin verstorben. Im Landt Verlag erschienen von ihm die Bücher »Die dritte radikale Widerstandsbewegung: Der Islamismus« (2009) sowie »Italienische Schriften. Europa – Geschichtsdenken – Islam und Islamismus. Aufsätze und Interviews aus den Jahren 1997 bis 2008« (2011). Die Zusammenarbeit mit Ernst Nolte beruhte darauf, dass die großen Publikumsverlage, die seine Bücher zuvor verlegt hatten, im Nachgang des Historikerstreits von 1986/87 nicht gewillt waren, seine späten Arbeiten herauszubringen. Zum Erscheinen von Noltes »Italienischen Schriften« hatte ich eine kleine Ansprache vorbereitet. Der heutige Tag ist geeignet, diese Ansprache anstelle eines Nachrufs einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren als der kleinen Schar von Gästen, die sich vor fast fünf Jahren, am 18. November 2011, in Berlin um den großen Historiker versammelte. Im Anschluss an die Begrüßung trug Ernst Nolte unter der Überschrift »Am Ende eines Lebenswerkes« vor. Weiterlesen

Nachruf auf Rudolf Kreis

Von Rudolf Kreis erschien 2009 im Landt Verlag die Autobiografie Die Toten sind immer die anderen. Spätes Erinnern an eine Jugend zwischen den Kriegen, die hier von Jan Assmann für die Frankfurter Allgemeine Zeitung besprochen wurde – mit dem Fazit: »Wer die Deutschen verstehen will, der lese dieses Buch.« Am vergangenen Mittwoch nun, dem 13. April 2016, ist Kreis 89-jährig in Grassau am Chiemsee verstorben. Er ruhe in Frieden. 

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Rudolf Kreis (1926-2016) im Jahre 2008 (Foto: Andreas Müller)

Kreis, 1926 in Neuwied am Rhein geboren, erlebte »zwischen den Kriegen« eine glückliche Kindheit und  Jugend (Gerhard Nebel war einer seiner Lehrer), bevor er 1943 Soldat wurde und, kaum achtzehnjährig, als Panzersoldat und jüngster Junker der Waffen-SS gegen die hoffnungslos überlegenen Waffen der Alliierten in der Normandie kämpfte. Nach Krieg und Gefangenschaft studierte er  Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte, promovierte und wurde Gymnasiallehrer. In den folgenden Jahrzehnten unterzog Kreis, auch als leidenschaftlicher »68er«, die deutsche Geistesgeschichte einer tiefschürfenden Kritik, deren auch in Büchern über Goethe, Heine, Nietzsche und Kafka veröffentlichte Ergebnisse sein späterer Briefpartner Ernst Nolte ihm als »ausgeprägten Philojudaismus« auslegen sollte.

Kreis‘ Anliegen war aber nicht auf einen Kampfbegriff zu bringen. Davon zeugt seine Autobiografie Die Toten sind immer die anderen, 2009 im Landt Verlag erschienen. Der Autor hatte per Post ein Konvolut mit Aufsätzen und Essays eingereicht, unter denen einige autobiografische Schriften deutlich herausragten. Befragt, ob es noch mehr davon gäbe, schickte Kreis postwendend ein im Laufe von mindestens zwei Jahrzehnten entstandenes Manuskript, das in der deutschen Nachkriegsliteratur einen einzigartigen Platz einnimmt. Weiterlesen

»›Homosexualität‹ ist ein groß angelegtes Täuschungsmanöver«

Interview mit dem Publizisten Andreas Lombard

Homosexuelle Reproduktion gibt es nicht – allen Versprechungen und Hoffnungen zum Trotz. Andreas Lombard sagt: Für den reproduktionstechnischen Markt dienen diese bloß als Türöffner. – Das folgende Interview erschien zuerst auf freiewelt.net

Foto: privat

FreieWelt.net: »Homosexualität gibt es nicht«, behaupten Sie im Titel Ihres neuen Buches. Wie ist diese steile These zu verstehen?

FreieWelt.net: Das müssen Sie mir erklären.

Andreas Lombard: Drei Beispiele: Erstens gilt Homosexualität für unveränderbar, als wäre sie ein sicherer Hafen, eine Art Schutz vor den Unwägbarkeiten des Lebens. Den gibt es nicht. Zweitens gibt es die behauptete Gleichheit nicht. »Gleich« ist Homosexualität nur dann, wenn ich die Fortpflanzung wegdenke. Und drittens führt die Gleichstellung zu einer fiktiven homosexuellen Fruchtbarkeit und am Ende zu einer Diskriminierung der Heterosexualität. Es gibt keine homosexuellen Eltern im Vollsinn des Wortes.

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Es gibt kein gutes Töten

Die Sterbehilfe kommt und eskaliert – wie zuvor die Abtreibung

Der Bundestag hat die Beihilfe zum Suizid rechtlich geregelt – ein schwarzer Tag für die Menschenwürde. Es wurde eine Grauzone geschaffen, die Rechtsunsicherheit ist größer als zuvor.

Der 6. November 2015 war ein schwarzer Tag für den Lebensschutz. An diesem Tag hat der Deutsche  Bundestag mit der Neufassung der Paragrafen 217 StGB zwar die geschäftsmäßige Sterbehilfe verboten, die private Sterbehilfe hat er aber zugleich erlaubt. Wenn das Gesetz bestand hat, ist Sterbehilfe in Deutschland unter bestimmten Bedingungen legal. Dank der engagierten Lebensschützer hatte der Bundestag immerhin die Chance, die Sterbehilfe vollständig zu verbieten. Niemand wird sagen können, dass es keine Alternative gegeben habe. Weiterlesen

Bubis wollen »Zombies« töten

Falk Richters Schaubühnen-Stück »Fear« ist ein Dokument der Angst selbstvergessener Sektierer, von der Geschichte überrollt zu werden. Für Januar sind weitere Aufführungen geplant

Nicht nur plaudernd in seinen aktuellen Interviews lässt Falk Richter erkennen, dass er von Politik keine Ahnung hat. Auch auf der Bühne muss er es uns beweisen. Ein ganzes halbes Jahr, so behauptet er, habe er sich kundig gemacht, was es mit dem »ungehemmten« Hass auf sich hat, der jetzt in aller Welt ist. Er will ja schließlich mitreden und auch ein bisschen mitwarnen und ein bisschen mitverurteilen. Dabei hat sich der Schreiberling verrannt. Beim monatelangen Rumdaddeln auf der Tastatur scheint Richter vor allem seine eigenen Vorurteile gemästet zu haben. Das Ergebnis kommt als Theaterstück daher, und in seinen Zutaten aus lauter echten Menschen, einem gläsernem Wachhäuschen, kakophonischer Orchestrierung und apokalyptischen Videosequenzen mag es das heutzutage Weiterlesen