Stören ist menschlich. Neues aus dem Fundbüro Nr. 7

In einem Kreuzberger Supermarkt geht es jeden Tag hoch her. Erst kürzlich bugsierte der Wachmann einen schimpfenden und um sich tretenden Störenfried aus dem Laden. Dabei trat er ihm in den Hintern. Prompt war eine selbst ernannte Anwältin des Opfers zur Stelle, die unter Berufung auf die Menschenrechte behauptete, das sei nun wirklich nicht nötig gewesen. Es lohnt sich, darauf einzugehen. Bezogen auf den Begriff »Mensch« haben auch die Kunden und der Wachmann ihre schutzbedürftige Würde. Warum also liegt der Störenfried der jungen Dame mehr am Herzen als alle anderen, zumal auch sie selbst im Supermarkt vermutlich nicht stören, sondern einkaufen wollte? Gerade weil im Sinne der Menschenrechte jeder Mensch schutzwürdig ist, kam es ihr eben darauf an, den Begriff »Mensch« parteilich zu benutzen. Das hat den Vorteil, dass man an die Schutzbedürftigkeit aller appellieren und zugleich Partei für den Randalierer nehmen kann. Es meldet sich ja niemand, der das ungerecht findet.

Erstmals veröffentlicht in der Berliner Zeitung vom 21. September 2007

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