Vom Leben mit dem dunklen Fleck

Kaum ist die beunruhigende Papstlosigkeit der Sedisvakanz überstanden, scheint es viele Journalisten sehr zu beunruhigen, dass es nun einen Papst gibt und nicht mehr keinen Papst. Kaum war der neue Papst gewählt, stand auch schon die Reinheit seiner Person in Frage. Als ob es eine Überraschung wäre, dass eine hochgestellte Persönlichkeit aus Argentinien auf ihrem sechsundsiebzig Jahre währenden Lebensweg möglicherweise nicht immerfort hat moralisch einwandfrei handeln können. Einen dunklen Fleck mag es ja geben, aber kaum wird auf ihn gezeigt, wird er auch schon so groß, dass der neue Papst dahinter zu verschwinden droht. Beides ist gefunden, der Papst und sein Fleck, und nun könnte es doch gut sein, denke ich mir, aber seltsamerweise lässt die öffentliche Aufgeregtheit, mit der schon die Sedisvakanz und das Konklave orchestriert wurden, immer noch nicht nach. Es geht bei dieser Aufgeregtheit auch gar um nicht um den Papst, sondern um die Fortsetzung der immerwährenden Unruhe, die nicht anders kann, als am Ende eines Konklaves sofort das nächste Konklave ins Auge zu fassen. In Gott sei das Heil nicht zu finden, heißt es, und so wird es überall gesucht und nirgendwo gefunden. Unerträglich muss der Gedanke sein, dass wir es bis auf weiteres mit einem Papst zu tun haben, der weder Gott ist noch Gott werden muss. Ich habe, wie gesagt, in den vergangenen Tagen einen anderen Weg ausprobiert. Als wir keinen Papst hatten, habe ich versucht, mich darauf zu konzentrieren, dass wir keinen Papst haben. Die vielen Kandidaten haben mich nicht sonderlich interessiert und das Konklave auch nicht. Als wir aber gestern Abend dann wieder einen Papst hatten, habe ich mich gefreut, dass die Tage ohne Papst zu Ende waren, und zwei Gläser Wein auf das Wohl des neuen Papstes getrunken. So kann das Leben schön sein, und ich empfehle diese Methode hier gerne weiter: Sich nicht ausreden, dass etwas fehlt, und sich freuen, wenn es da ist. Der Rest wird sich dann schon finden. Man kann diesen Trick auch ohne Sedisvakanz vielfach zur Anwendung bringen, denn irgendwas fehlt ja immer.