»Ich bin ein Meteor.« Neues aus dem Fundbüro Nr. 1

»Ich spreche dem Individuum das Recht ab, in eigener Sache Richter und Partei zu sein. Der Teufel, der Stolz, die uns eingepfropfte Leidenschaft sind rasch bei der Hand, uns Vorwände und Entschuldigungen einzuflüstern.«  Paul Claudel

Die Gegenwart hat uns zweifellos von vielen Entbehrungen und Konventionen früherer Zeiten befreit: »Sie fördert entschieden die Impulsivität, und wir erfreuen uns der ›negativen Freiheit‹ gegenüber einer Vielzahl von zuvor eingeschränkten Aktivitäten. Die Kehrseite […] ist jedoch der Anstieg der Kriminalität, des Drogenkonsums, unsozialen Verhaltens und die zunehmende Zerrüttung des Familienlebens. Als demokratisch verfaßt reagiert die moderne Welt positiv auf das, was wir wollen, und was wir wollen, ist nicht immer gut für uns.«  Kenneth Minogue

Die gemeinschaftlichen Träger fallen immer mehr weg: »Man versucht also, soweit als möglich jedem Einzelbewußtsein das Ganze aufzulasten, soviel wie möglich in den schmalen Lebensraum des Einzelnen einzupressen. Da dies nicht geht, verflüchtigt sich der Inhalt ins Abstrakte und Theoretische, das unser Leben nicht mehr berührt, geschweige denn formt; praktisch wird wahllos genippt, genascht, ausprobiert, mitgeschleppt. Daher rührt die immer mehr spürbare Flachheit, Dünne und Angestrengtheit […], das beängstigende Übergewicht von Programm und Forderung.«  Hans Urs von Balthasar

»Zum Abgleiten in die Servilität gehört auch die Trivialisierung eines guten Teils des modernen Lebens.«  Kenneth Minogue

»Das vereinzelte In-der-Welt-Sein wird wild und führt seine Wildheit vor. – Existenz und Moral tretren auseinander, der Wille zum Gutsein erscheint dem wilden Selbst wie eine schale Maske, eine ekelhafte Gemütlichkeit. Durch den Mund zahlloser Individuen verkündet das Dasein: ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit; ich bin kein Staatsbürger, ich bin Müll; ich bin kein Subjekt, ich bin eine begehrende Maschine; ich habe keine Mitmenschen, ich bin ein Meteor. Ein neuheidnischer Verzeiflungsstolz findet zu seiner Sprache und verspottet die Tröstungen der metaphysischen Traditionen.«  Peter Sloterdijk