Armes Deutschland, armer Kühlschrank

Als Joachim Gauck 2010 seinen ersten präsidialen Anlauf nahm, tat er etwas, was sich nicht einmal Christian Wulff erlaubt hat. Er begrüßte die Gäste einer SPD-Unterstützungsfeier mit »Hallo Menschen!«. Christian Wulff sprach statt von »Deutschen« notorisch von »Menschen in Deutschland«. Die Worte »Ostdeutsche« und »Westdeutsche« markierten schon sein Maximum an nationaler Solidarität. An Deutlichkeit hat er es jedenfalls nicht fehlen lassen: »Menschen in Deutschland« können die Mauer zwischen sich haben. Sie können Tagestouristen sein und im Ernstfall sogar feindliche Truppen – ein guter Grund, solche Worte besonders ernst zu nehmen. Christian Wulff ist aber nicht darüber gestürzt, dass sein Deutschland immer noch geteilt oder schon wieder besetzt war. Wie übrigens auch Ulla Schmidt nicht über ihre Definition von Familie: »Familie ist, wenn alle aus demselben Kühlschrank essen.« Wo sie doch mit diesem sprichwörtlich unterkühlten Bild den heimlichen Liebhaber und den noch heimlicheren Einbrecher zu Familienmitgliedern erhoben hat. Auch hier spricht die Tatsache, dass diese Worte ohne Konsequenzen blieben, dafür, sie besonders ernst zu nehmen … Als Fortsetzung empfehlen wir den gestrigen Eintrag »Über die Verwechslung von Fremdem und Eigenem«, denn da geht es noch etwas turbulenter zu.

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